Les Misérables (26.08.2011 Baden)

Nun habe ich es also endlich geschafft diesen Musicalklassiker zu sehen, der auf Victor Hugos “Die Elenden” basiert. Wie der Titel schon verrät, handelt es sich um eine dramatische Geschichte, in der mehrere Figuren den Tod finden. Die Handlung dreht sich um den flüchtigen Sträfling Jean Valjean und seinen Erzfeind Javert. Eine reichhaltige Sammlung von weiteren Figuren spinnt komplexe Handlungsstränge um den Gejagten und den unermüdlichen Jäger. Die Fabriksarbeiterin Fantine, ihre Tochter Cosette, das Wirtsehepaar Thenardier, deren Tochter Eponine, die Studenten um Marius und Enjolras, der vife Bursche Gavroche.

So tragisch die unglückliche Liebe Eponines zu dem in Cosette verliebten Marius ist, berührt mich doch am meisten Fantines Schicksal. Aus der Fabrik gejagt muss sie selbst ihr Haar verkaufen, um die Wirtsleute zu bezahlen, bei denen ihre Tochter lebt. Diese gaukeln ihr vor das Mädchen wäre schwer erkrankt und benötige teure Medikamente. Um Cosettes Leben zu retten, schlägt sie sich schließlich als Hure durch.

Besetzung
Jean Valjean – Darius Merstein-Macleod
Javert – Chris Murray
Fantine – Patricia Nessy
Madame Thénardier – Franziska Stanner
Monsieur Thénardier – Gernot Kranner
Gavroche – Caroline Athanasidis
Eponine – Nina Weiß
Cosette – Elisabeth Schwarz
Enjolras – Aris Sas
Marius – Zoltan Tombor

Überhaupt ist Les Misérables ein sehr tragisches Musical. Mir fällt auf die Schnelle kein anderes ein, bei dem so viele zentrale Figuren sterben. Die Handlung ist ausgeprochen komplex, ist war für mich das eine oder andere nach diesem ersten Mal sehen relativ schwer nachvollziehbar. Zum Beispiel Eponines Tod. Sie spricht mit Marius und sinkt dann auf einmal tot nieder. Ich habe mir im Nachhinein erklären lassen, dass sie auf den Barrikaden angeschossen wird und daran stirbt. Ähnlich ging es mir mit Javerts Selbstmord. Er legt sich selbst Handschellen an und singt davon “die Welt des Jean Valjean zu verlassen”. Wenn man dann darüber nachdenkt (und entdeckt, dass entsprechendes Lied auf einer CD-Aufnahme mit “Javerts Selbstmord” tituliert wird), erscheint es natürlich logisch, dass er sich umbringt – in der Seine ertränkt.

Die Musik von Les Misérables gefällt mir sehr, es gibt berührende Balladen wie “Ich hab geträumt vor langer Zeit” und starke Ensemblenummern, z.B. “Das Lied des Volkes”. Das zu Beginn ein wenig laute den Text übertönende Orchester wurde rasch angepasst.
Ich mochte Aris Sas als Enjolras, er hat eine schöne Stimme und ist mir auch mehr in Erinnerung geblieben als der Darsteller des Marius. Darius Merstein-Macleod und Chris Murray (den ich in diesem Theater bereits in Scarlet Pimpernel sehen durfte), haben mich sowohl darstellerisch als auch gesanglich überzeugt. Jean Valjean ist auch ein sehr interessanter vielschichtiger Charakter.
Bei Patricia Nessy war ich zunächst ein wenig unschlüssig, aber sie hat es dann auch schnell geschafft mit ihrer bemitleidenswerten Fantine mir feuchte Augen zu verschaffen. Putzig finde ich das Lied der kleinen Cosette.
Gavroche (damals in Wien noch der junge Aris Sas) wird hier von einer Frau gegeben. Schauspielerisch hat mir die Performance sehr gut gefallen, nur die Stimme klingt einfach zu weiblich.
Cosette und Eponine finde ich ebenfalls gut besetzt. Bei den beiden Figuren ist das Wechselspiel ja sehr interessant. In der Kinderzeit ist Cosette die arme billige Dienstmagd und Eponine die umsorgte Wirtstochter, im Erwachsenenalter dreht sich das Bild um, nachdem Valjean Fantines Tochter unter seine Fittiche genommen hat, und gleichzeitig die Thénardiers verarmt sind.

Das Bühnenbild besteht aus einer Gerüstkonstruktion aus Stufen und Plattformen, welche je nach Bedarf eingesetzt werden. Auf der rechten Seite bleibt dabei ein freies Stück. auf dem zum Beispiel der Beratungstisch der Studenten Platz findet. Die Bühne des Stadttheaters hat nicht die Möglichkeit zu großen Umbauten im Stück, sie kann sich weder drehen, noch heben oder senken. So werden hauptsächlich Requisiten wie Tische und Sessel herein und hinaus getragen. Die große Besonderheit dieser Bühne ist jedoch der Steg, welcher vor dem Orchestergraben und damit direkt bei der ersten Sitzreihe entlang läuft. Auf diesem fällt Gavroche. Wie in anderen Stücken dieses Theaters benutzen die Darsteller desöfteren die Gänge durchs Publikum. Die beiden Logen im Rang direkt an beiden Seiten der Bühne werden ebenfalls ins Stück einbezogen. Ensemblemitglieder treten dort bei mehreren Gelegenheiten auf.

Les Misérables wird vielleicht nicht mein Lieblingsstück, aber es ist sicher eins, das ich mir bei Gelegenheit nochmals ansehen werde. Und dann hoffentlich an einem weniger heißen Tag. Es hat kaum eine Dreiviertelstunde gedauert, bis im Publikum der erste umgefallen ist und hinaus getragen musste. Von daher geht meine Hochachtung an die Darsteller, die bei der Hitze in ihrer vollen Montur über die Bühne gewirbelt sind und sich nicht mit Fächern oder Programmheften Luft zufächeln konnten.

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2 Antworten auf Les Misérables (26.08.2011 Baden)

  1. Bernd sagt:

    Leider ist die deutsche Version von Les Miserables nicht mit der englischen, schon garnicht mit der französischen Originalfassung zu vergleichen. Die deutschen Songtexte weichen dazu viel zu stark von den Originalen ab. Eine Frau/Mädchen als “Gavroche” ist eine absolute Fehlbesetzung, das geht meiner Meinung nach garnicht. Zum Glück wird dieses großartige Musical auch weiter im Londoner Westend gespielt.

    • Babsi sagt:

      Dürfte aber öfter so sein, dass eine Frau Gavroche spielt. Haben Pia Douwes und Maya Hakvoort in ihrer Anfangszeit auch mal. Warum auch nicht, wenns überzeugend ist.