Titanic (03.08.2012 Felsenbühne Staatz)

Nach den drei Musketieren vor zwei Jahren kann die Felsenbühne Staatz wieder mit einer österreichischen Erstaufführung aufwarten. Maury Yestons „Titanic“, welches im deutschsprachigen Raum bereits in Hamburg gespielt wurde. Ich war im Vorfeld wahnsinnig gespannt, wie man dieses gigantische Schiff wohl auf der malerischen Felsenbühne umsetzen würde. Dieses Mal waren sogar die Wettergötter gnädig, nachdem die Musketiere ja leider wegen Weltuntergangwetters kurz nach der Pause abgebrochen werden mussten. Aber das war vor zwei Jahren und heuer ist heuer!

Die Bühne präsentiert sich hinter einem spiegelglatten Wasserbecken in mehreren Ebenen. Die eigentliche Bühnenfläche ist mit Bullaugen versehen und dient unter anderen als Deck des Schiffes, oder als prunkvoller Speisesaal der ersten Klasse. In Nischen links und rechts befinden sich zum einen der Raum des Funkers und zum anderen angedeutet durch eine Heizkesselklappe der Maschinenraum. Eine Ebene darüber liegen die in die jeweiligen Klassen aufgeteilten Kabinen- bzw. Suitentüren, links die dritte, rechts die zweite und prächtig in der Mitte die erste Klasse. Darüber befindet sich noch die Kommandobrücke mit dem Steuerrad und ganz oben als unscheinbares Gestell das Krähennest. Im Wasserbecken liegt ein kleines Rettungsboot. Zunächst gehen die Mannschaftsmitglieder, danach die dritte und die zweite Klasse über einen Steg, welcher das Wasserbecken quert, an Bord. Die Spitzen der Gesellschaft erscheinen zuletzt und werden einzeln vorgestellt. Danach wird der Landesteg eingefahren und die Titanic sticht zu ihrer verhängnisvollen Fahrt in See.

Anders als bei allen anderen mir bekannten Musicals gibt es hier keine wirklichen Hauptrollen, sondern viele Figuren, die wichtig sind und hervorgehoben werden – vom einfachen Heizer bis zum Multimillionär treffen sich an Bord Schicksale. Da wären die Irin Kate McGowan, die in dem jungen Jim Farrell Hoffnung auf ein besseres Leben findet, der Heizer Frederick Barrett, der nach seiner Rückkehr seine Freundin heiraten möchte. Weiters die neugierige Alice Beane, die vom Deck der zweiten Klasse aus die Spitzen der Gesellschaft beobachtet und sich wünscht, dazu zu gehören, die allein reisende, etwas extravagante Mrs Cardoza (eine Anspielung auf die unsinkbare Molly Brown?), die Astors, die Guggenheims und wie sie alle heißen. Die Offiziersriege mit Captain Smith und dem Ersten Offizier Murdoch, der Konstrukteur Mr Andrews und nicht zuletzt der Eigentümer der White Star Line, Mr Ismay dürfen nicht fehlen. Das Musical beschäftigt sich mit diesen Schicksalen, um manche davon zu verknüpfen.
Im Finale des ersten Akts erhebt sich der blauweiß angestrahlte Felsen rechts von der Bühne eindrucksvoll als Eisberg und es ertönt ein schauriges metallisches Schaben, das den Beginn des Unglücks verkündet. Andrews, Ismay und Smith schieben sich gegenseitig die Schuld an der Katastrophe zu, während die Mannschaft bemüht ist, möglichst viele Leute von Bord zu schaffen. Kate erhascht einen Platz, muss sich dabei jedoch von ihrem Jim trennen. Mrs Straus weigert sich nach vierzig gemeinsamen Jahren ihren Mann zu verlassen, deren Duett auf die vergangene gute Zeit ist eine der berührendsten Szenen des Stücks, finde ich. Zuletzt sichert sich der an dem Unglück alles andere als unschuldige Ismay einen Platz auf dem Boot, bevor dieses über das Wasserbecken gleitet. Andrews’ Stimme schildert dramatisch den Untergang, während sich ein Teil der Bühne in die Höhe hebt, um das steigene Heck zu symbolisieren. Die verzweifelten Menschen kämpfen sich nach oben, um schließlich abzurutschen und in das eisig kalte Wasser zu fallen (Szenen, die wir aus James Camerons Meisterwerk allzu gut kennen).
Am Ende treten die von der Carpathia geretteten Überlebenden in warme Decken gehüllt auf, um die vielen Toten zu beklagen. Nur siebenhundertelf Menschen von über zweitausend Passagieren und Besatzungsmitgliedern haben das Unglück überlebt. Geisterhaft und eindrucksvoll treten die Opfer heran, um leuchtende Kreuze in das Wasserbecken zu legen. Das Stück endet wie es begann, mit dem Sinnieren über die kolossalen Bauwerke, welche von den Menschen zu allen Zeiten geschaffen werden.

Besetzung
Thomas Andrews – Werner Auer
J. Bruce Ismay – Stephan Witzlinger
Captain E.J. Smith – C.A. Fath
William Murdoch – Johannes Nepomuk
Frederick Barrett – Philipp Büttner
Hardold Bride – Oliver Liebl
Isidor Straus – Hannes Rathammer
Ida Straus – Angelina Nigischer-Traxler
Charlotte Drake Cardoza – Alixa Kalaß
Alice Beane – Tanja Petrasek
Edgar Beane – Rupert Preißler
Kate McGowan – Caroline Zins
Jim Farrell – Nico Schweers

Dies sind zumindest die wichtigsten Personen der bemerkenswert großen Besetzungsliste zu nennen. Die meisten Namen sagen mir nichts und da man von keinem hervorstechend viel hört, kann ich nur zusammenfassend sagen, dass alle ihren Job gut gemacht haben. Der einzige, den ich wirklich hervorheben kann und möchte, ist Werner Auer, seines Zeichens Intendant der Felsenbühne. Er hat mich schon vor zwei Jahren als Kardinal Richelieu schwer begeistert und wusste mich auch diesmal mit seiner vollen tiefen Stimme zu überzeugen. Bleibt nur zu hoffen, dass er im nächsten Jahr das Biest gibt!

Im Großen und Ganzen hat mir die Musik gefallen, es fehlen jedoch eingängige Lieder. Mir ist nichts nennenswert in Erinnerung geblieben, außer vielleicht „In Amerika“, das Lied der drei Kates und der anderen Passagiere der dritten Klasse, die davon träumen, in Amerika eine richtige Arbeit zu bekommen – und das vermutlich nur, weil ich es mir auf der Hamburger CD ein paar Mal angehört habe. Die Akustik vor den Felsen und der Ruine im Hintergrund ist großartig und hat die Musik, für die ein kleines, aber doch beachtliches Orchester verantwortlich ist, gut wirken lassen.

Das Bühnenbild und wie alles in Szene gesetzt wurde, auch die Idee mit dem beleuchteten Felsen als Eisberg, kann ich nur loben. Optisch ist die Inszenierung über alle Maßen gelungen. Eines meiner Lieblingsmusical wird es wohl nicht werden, aber ich hatte einen interessanten Abend und habe mich gut unterhalten, sodass ich das Stück auf jeden Fall weiterempfehlen kann. Man darf nur nicht mit der Erwartung hingehen, dass es auch nur irgendwas mit dem Erfolgsfilm zu tun hat!

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