4 Voices of Musical (13.04.2015 Theater Akzent)

Der 13. April 2015, ein sonniger Tag… na fast. Aber selbst der trübste Himmel hätte mir die Laune nicht trüben können, mit der Aussicht Maya mal wieder zu sehen. Das letzte Mal bei “Geschüttelt, nicht gerührt” war ja immerhin bald ein halbes Jahr her. Die Konzertreihe “4 Voices of Musical” hätte ich letztes Jahr schon sehr gerne gesehen, hatte es mangels erreichbarer Tourstationen leider nicht einrichten können. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass die aktuelle Tour auch hier in Wien im Theater Akzent Station macht. Ein schönes Theater, nicht zu groß und für derlei Konzerte genau richtig. Im Foyer beim Merchandise-Stand habe ich gleich mal ein Programmheft und die letzte Dose 4-Voices-Prosecco erstanden (fast zu schade zum trinken). Dann ging es in den Saal, elfte Reihe gaaanz links außen. Auf die Songliste im Programm hatte ich noch keinen Blick geworfen und so war ich gespannt was alles kommen würde.

Die vier Künstler und Innen Mark Seibert, Lukas Perman, Missy May (als Vertretung für Marjan Shaki – an dieser Stelle Glückwunsch zum neuen Erdenbürger) und die wunderbare Maya Hakvoort stellten sich zur Einstimmung mit einem Medley aus West Side Story vor. Wird wohl nie mein Lieblingsmusical, wenn es auch mit sehr bekannten und klingenden Melodien aufwarten kann, die als Einstieg gut geeignet waren.
Danach kam Maya mit ihrem ersten Solo, das da “As if we never said goodbye” aus Sunset Boulevard war. Ein vertrautes und schönes Lied von ihr. Ich musste die ganze Zeit bis zum Schlusston überlegen, bei welcher Gelegenheit sie das vorher schon gesungen hatte. Bei ihrem ersten Solokonzert nämlich, das ist ganz schön lange her.
Mark Seiberts erstes Solo des Abend war “Starlight Express” aus dem gleichnamigen Musical. Mir hat es gefallen, aber natürlich fehlen mir Vergleichsmöglichkeiten.
Gleich anschließend folgten zwei Lieder aus Mozart. “Irgendwo wird immer getanzt” von Missy May, das mich leider nicht ganz überzeugen konnte, und “Wie wird man seinen Schatten los” von Lukas Perman, abgerundet durch ein “Ensemble” aus den drei anderen Voices.
Sehr angetan war ich vom Wicked-Medley, vor allem, weil Songs aus diesem Musical bei hiesigen Konzerten eher selten zu hören sind, und es doch so ein schönes Stück ist. Die Lieder waren “Tanz durch wie Welt” von Mark Seibert, den ich in Stuttgart schon als Fiyero sehen durfte, gefolgt von “Solang ich dich hab” von ihm und Maya als seine Elphaba, bei dem sie einige Federn von ihrem weißen Oberteil lassen musste. Das hatte einen Lachflash ihrerseits zur Folge, von dem die ersten Zeilen von “Frei und schwerelos” begleitet wurden. Als sie dann mit dem titelgebenden Refrain loslegte, hat mich das umgehauen. Da war so viel Kraft dahinter. Ich fand ja schon die federleichte englische Version bei ihrem ersten Soloprogramm wunderschön, aber das, das war der Wahnsinn! Ich wünschte, davon gäbe es eine Aufnahme.
Danach ging es weiter nach Frankreich und auf die Barrikaden. Aus Les Misérables kamen die Lieder “On my own” von Missy May und “Dunkles Schweigen an den Tischen” von Lukas Perman. Besonders letzteres gefiel mir gut und und fand es auch sehr zum Sänger passend.
Zur Auflockerung nach diesen dramatischen Melodien wirbelten Maya und Mark Seibert mit “Time of my Life” (Dirty Dancing) über die Bühne. Die beiden harmanonierten wirklich gut und es war unverkennbar, dass ihnen das auch einen Riesenspaß machte. Der Funke war längstens auf das Publikum übergesprungen und es wurde kräftig mitapplaudiert.
Gleich darauf wurde es wieder ernst mit zwei Liedern aus Jekyll & Hyde. Zum einen “This is the moment” von Lukas Perman, das er zwar gut gemacht hat, mir aber von anderen Stimmen mehr zusagt, und zum anderen “Mädchen der Nacht” als Duett von Maya und Missy May. Ein wunderschönes melancholisches Lied. Maya hatte den Part der Nellie, Missy den der Lucy. Bei den gemeinsam gesungenen Stellen war letztere allerdings kaum zu hören, neben Maya mit ihrem Stimmvolumen.
Mark Seiberts “I want to break free” (WWRY) hat zum mitrocken und mitklatschen eingeladen. Rocken kann er eindeutig!
Als Finale vor der Pause kam der Perchtoldsdorfer Kinderchor auf die Bühne und unterstützte den Jungpapa Lukas Perman bei “Wie vom Traum verführt” aus Joseph and the amazing technicolor dreamcoat. Das ist auch nicht unbedingt eins meiner Lieblingsmusicals, aber dieses Lied mag ich trotzdem gern und Lukas’ Stimme empfand ich als höchst passend, natürlich in Begleitung der Kids. Für den Abschluss des ersten Teils kamen die übrigen Voices hinzu und Lukas konnte es sich nicht verkneifen, Maya unter die Nase zu reiben, dass es DER Kinderchor heißt – so süß. Zu viert mitsamt Kinderleins wurde “Ease on down the road” (The Wiz) gesungen. Ein Bub zwischen lauter Mädels machte dabei irgendwie einen recht verlorenen Eindruck.

In der Pause konnte ich endlich einen Blick ins Programmheft und auf die noch kommenden Lieder werfen. Den zweiten Teil eröffnete Maya mit “Mein Sinn für Stil” aus Aida in einem sehr bunt gemusterten und äh… recht auffälligen Kleid. Zu Aida hat es auf alle Fälle gepasst. Das Lied war mein zweites großes Highlight nach dem Wicked-Medley. Mal etwas ganz Neues von Maya. Gemeinsam mit Mark Seibert und Missy May kam dann noch “Einen Schritt zu weit”, das mir auch sehr gefallen hat. Die drei haben dabei schön harmoniert.
Als nächstes folgte “Liebe/Der Balkon” aus Romeo und Julia. Für Lukas Perman ein altvertrautes Stück, aber auch Missy May gefiel mir dabei sehr. Weit besser als bei ihren beiden Soli des ersten Akts möchte ich sagen.
Mark Seibert konnte ein weiteres Mal die Bühne rocken, diesmal mit “Footloose” aus der gleichnamigen Show. Ein Lied, das ganz schön ins Ohr geht. Missy May ging anschließend auf in “What a feeling” aus Flashdance.
Dann ging es wieder zu den großen Wiener Musicals und Maya Hakvoort sang das Titellied aus Rebecca, wobei Missy May den Part der Ich übernahm. Ich durfte Maya ja in St. Gallen als Mrs Danvers erleben und mochte dieses Lied von ihr schon seit dem ersten Hören unheimlich gern von ihr. Es passt perfekt zu ihrer Stimme.
Das nächste Hit-Musical, das an die Reihe kam, war Tanz der Vampire und ein gefühlvolles “Für Sarah” von Lukas Perman. Das Lied mochte ich von ihm schon immer gern. Natürlich kommt kaum ein Musicalkonzert ohne DIE große Nummer aus diesem Musical aus, ja, gemeint ist “Totale Finsternis” in einer durchweg überzeugenden Interpretation von Mark Seibert und Missy May.
Passend zum Thema große Nummer folgte auch gleich das Lied, das so ziemlich jeder kennt, dem der Begriff Musical/Musiktheater nicht ein spanisches Dorf ist. “Memory” aus ALWs weitbekanntem Katzenmusical. Ob sich Maya da schon auf den kommenden Sommer in Tecklenburg einstimmen wollte, wo sie die Glamour-Katze Grizabella geben wird? Obwohl das ein Lied ist, an dem man sich als langjähriger Musicalfan schon fast sattgehört hat, gefällt es mir von Maya immer wieder gut. Diesmal wurde sie von Lukas Perman begleitet und das hatte durchaus was.
Missy May schien mit “Out here on my own” aus Fame ganz in ihrem Element zu sein und durfte dann das ankündigen, von dem Maya schon zu Anfang feststellte, sie wüsste genau, dass wir darauf warten. Wo sie recht hat. Missy leitete den Elisabeth-Block mit einer sympathischen Anekdote über ihren ersten Musicalbesuch vor bald zwanzig Jahren ein, bei dem sie als Kind dieses Musical mit Maya in der Titelrolle sah und so beeindruckt war, dass sie daraufhin beschlossen hatte, auch Sängerin werden zu wollen. Eine süße Geschichte, und dass sie damals von dem Musical und von Maya angetan war, kann ich ihr bestens nachfühlen. Ging mir als Kind vor zwanzig Jahren genauso – allerdings wollte ich nie selber singen, ich war wohl immer realistisch genug, um zu wissen, dass mein musikalisches Talent leider nicht vorhanden ist.
Den Anfang des Blocks machte Mark Seibert mit “Der letzte Tanz”. Er gefiel mir im Raimund Theater gut als Tod und ich höre das Lied immer wieder gern von ihm. Gemeinsam mit Lukas Perman folgte “Die Schatten werden länger”, eine meiner vielen Lieblingsnummern des Musicals. Und dann, ja dann kam das Lied, das Maya nicht mehr los wird. Das Solo der Rolle, die sie bei uns groß gemacht hat. “Ich gehör nur mir” – what else? Sie stand da in diesem schönen weißen Kleid und es war ein Erlebnis voller Erinnerungen. Der Applaus war tosend, was zeigt, dass es vielen Leuten ganz ähnlich geht.
Die vier Voices verabschiedeten sich mit “Seasons of Love” aus RENT. Ein stimmungsvoller Ausklang. Auch ein Musical das ich nicht kenne, aber ein Lied, das ich sehr mag. Das Publikum war angetan, es gab begeisterten Applaus und Standing Ovations (erwähnte ich, dass ich Randplätze liebe?), die natürlich mit Zugaben belohnt wurden. Leider will mir nicht mehr einfallen, was das für Lieder waren.

Bei dem Konzert war auch eine Bekannte von mir aus Japan, die auf ihrer Urlaubsreise einen Abstecher nach Wien gemacht hat. Wir hatten uns seinerzeit nach Evita in Baden kennengelernt, das Fansein bringt Leute zusammen, habe ich über die Jahre festgestellt. Da sie gerne zum Bühnentürl wollte, um Maya zu sehen, habe ich sie dorthin begleitet. Sonst wäre ich in Anbetracht dessen, dass ich am nächsten Tag zeitig aufstehen und zur Arbeit musste, wohl nicht hingegangen, obwohl ich Maya genauso gern sehen wollte. Das lange Warten hat sich schließlich ausgezahlt und gemeinsam mit Freunden waren wir die letzten paar Fans, die Maya ansprachen. Meine japanische Freundin freute sich wie eine Schneekönigin, so süß, das allein wars wert. Maya fiel sogar auf, dass meine Haare inzwischen dünkler sind, das hat mich insgeheim natürlich gefreut. Das Selfie mit ihr ist leider nichts geworden, aber netterweise hat sie mir auch noch das Programmheft signiert, das mich an diesen sehr langen und sehr besonderen Abend erinnern wird. Ich hoffe sehr, dass Maya und ihre Music Productions noch viele weitere solcher tollen Konzerte auf die Beine stellen werden. Man hat in jedem Moment gemerkt, dass die vier Voices nicht nur Kollegen, sondern auch gute Freunde sind und da oben auf der Bühne eine unglaubliche Hetz zusammen haben. Danke für einen großartigen Abend!

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